Herbstkonzert 2019

„Gemeinsam fällt der Abschied leichter…“

Es war ein schwerer Abschied. Unfreiwillig, auf beiden Seiten, und dennoch unvermeidbar. Nach elf Jahren verabschiedete der Musikverein Burgstetten am vergangenen Herbstkonzert schweren Herzens seinen Dirigenten Bernd Vorholt. „Es fällt mir nicht leicht zu gehen“, sagte dieser. „Schließlich mache ich das nicht freiwillig, sondern werde durch meine Gesundheit gezwungen.“ Dass es nicht leicht für ihn ist, diese letzte Rede vor „seinen“ Musikern zu halten, ist ihm anzusehen. Denn es stehen nicht nur die Aktiven des MVB auf der Bühne, sondern auch 24 Musiker des Halderner Blasorchesters. Sie nahmen mit ihrem Dirigenten Robert Wijnands die lange Anreise aus Nordrheinwestfalen auf sich, um Bernd Vorholt in einem Doppelkonzert zu würdigen.

„Heute ist für mich ein besonderer Tag und dass ihr dabei seid, macht das Ganze einfach komplett“, bedankt sich Vorholt bei den Musikerfreunden. Beim Halderner Blasorchester lernte er Anfang der 1980er Jahre, wie er sich ausdrückte, „das musikalische Laufen und die Liebe zur Blasmusik kennen“. Zuerst an Tuba und Schlagzeug im Blasorchester und schließlich in der Big Band, in der er Drums und Congas spielte.

Unter dem Motto „Gemeinsam fällt der Abschied leichter“ sagten die Musiker nun Lebewohl. Das Halderner Blasorchester machte den Anfang mit Auszügen aus der „Vaudeville Suite“ und dem „Böhmischen Traum“. Normalerweise sind die Halderner rund 10 Musiker mehr. „Doch es ist fast unmöglich, ein Wochenende zu finden, an dem alle Zeit haben“, entschuldigte Dirigent Wijnands die Minimalbesetzung. Doch diese tat dem Klang keinen Abbruch, was sie den rund 250 Konzertbesuchern spätestens mit den schönen Klängen von „The Heart of Lithuania“ und dem Klassiker „Music“ eindrucksvoll bewiesen.

Vor der Pause war es Zeit für die Ehrungen: Michael Turina erhielt die Ehrennadel in Gold mit Diamanten für 40 Jahre und Alexander Kaczmarek die Ehrennadel in Gold für 30 Jahre aktive Tätigkeit.

Anschließend übernahm das 36-köpfige Blasorchester des MVB und landete mit „Olympic Spirit“ und „Alm“ direkt zwei Volltreffer. Bernd Vorholt dirigierte wie immer: elegant und mit Freude, pointiert und mit viel Gesichtsmimik. Wie gewohnt schenkte er jedem Musiker ein Lächeln, gab präzise Einsätze und zog nach besonderen Leistungen anerkennend die Augenbrauen hoch – wie auch nach dem Solo von Stefan Schwaderer in „My Dream“. Und doch war alles anders. Eine besondere Stimmung lag in der Luft. Die Musiker gaben mehr als ihr Bestes und es schien, als wolle jeder auf der Bühne dieses letzte Mal voll auskosten: Orchester und Dirigent verschmolzen vollständig zu einer Einheit. Nach „Joe Cocker!“ holte der MVB die Halderner wieder auf die Bühne und Bernd Vorholt spielte am Schlagzeug unter Dirigent Wijnands mit den 60 Musikern zusammen den „Halderner Festmarsch“.


Schließlich war es so weit: Bernd Vorholt verabschiedete sich musikalisch mit „Thank you for the Music“. Denn ein Lied sagt mehr als tausend Worte:
„So sage ich, danke für die Musik, die Lieder, die ich singe, Danke für all die Freude, die sie bringt, Wer kann ohne sie leben, frage ich in aller Ehre. Was würde das Leben sein, ohne ein Lied oder einen Tanz, was wären wir? So sage ich, danke für die Musik, dass sie mir gegeben wurde.“

Was den Dirigenten und Kameraden Bernd Vorholt ausmacht, fasste Harald Brühmann, 1. Vorsitzender des MVB, in Worte: „Wer Bernd mit ein paar Attributen beschreiben will, kommt um folgende nicht herum: kompetent, offen, kooperativ, immer wertschätzend, reflektiert, manchmal ein bisschen selbstironisch, dafür aber immer witzig.“ Nicht jeder große Mensch sei auch wirklich ein großer Mensch, so Brühmann weiter. „Doch Bernd Vorholt ist einer und das liegt nicht an seiner beeindruckenden Größe von 2,05 Metern.“ Kein Wunder, dass der Taschentuchverbrauch am Konzertabend sowohl im Publikum als auch bei den Musikern überdurchschnittlich hoch war. Und spätestens Vorholts Abschiedsworte trieben dann selbst den gestandensten Männern im Saal die Tränen in die Augen. „Ihr habt mein Leben um eine große Dimension bereichert“, bedankte er sich bei seinen Musikern. „In unseren 22 gemeinsamen Konzerten haben wir 224 Stücke einstudiert und aufgeführt. Meine eigenen Ideen mit einer so tollen Formation in Teamarbeit zu Konzerten wachsen zu lassen, war für mich sehr erfüllend.“

Endgültig ziehen lässt der MVB seinen – nun ehemaligen – Dirigenten jedoch nicht, denn Vorholt wird auch weiterhin den Schlagzeug-Nachwuchs unterrichten. Seine Nachfolge als Dirigent tritt Juozas Vasiliauskis an, der ebenfalls Berufsmusiker ist und momentan in Stuttgart zwei Chöre leitet.
– Antonie Post –

Musikausschnitte

“Böhmischer Traum” Norbert Gälle arr. Siegfried Rundel (4:29)
“Thank you for the music” arr. Don Campbell

Fotogalerie

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